Verschwendungs- und Sparvorschläge gegen unsere Umwelt

Es gab einmal eine Zeit, da lernte man, die Schweiz sei schön und lobte die Berge und den Bannwald. Ich war ein Kind, sah vieles nicht und war stolz auf dieses Land, das Bannwälder hat und dem Land Sorge trägt.
Diese Zeit ist vorbei. Die Dinge sehen anders aus. Mein Blick hat sich geändert. Da steht dann eine Gegenwart, in der die Dinge wie Treibeis gegeneinander stossen. Da gibt es das Matterhorn, das bröckelt, den Tödigletscher, auf dem kaum noch Schnee liegt. Der Permafrost schmilzt, Waldbrände wüten, die Ozonwerte sind alarmierend. Da gibt es politische Pläne für die Zukunft. Der Alpenschutz soll durch die zweite Gotthard-Strassenröhre mit der Zufahrtsrampe Amsteg-Göschenen auch in der steinernen Wirklichkeit unserer Berge für 30 Milliarden durchlöchert werden. Und die Spezialkommission „Entlastungsprogramm 03“ hat einen CVP-Antrag vorläufig gutgeheissen, der beim BUWAL 33 Millionen einsparen soll.
Es soll also die Avanti-Initiative in verschärfter Form realisiert und damit die Verlagerung des Transit-Schwerverkehrs auf die Schiene untergraben werden. Und es soll zugleich bei der Grundlagenarbeit für den Umweltschutz und bei der Umsetzung der Umweltpolitik, also beim BUWAL, massiv gespart werden. Arbeiten zu Forstwirtschaft, Gewässerschutz, Luftreinhaltung und Lärmbekämpfung werden wegfallen. So verkommt ökologische Nachhaltigkkeit durch ein Milliarden-Strassenbauprojekt und durch Millionen-Einsparungen zur reinen Theorie.
Das ist die Jetzt-Zeit – und dies in einem Land, dessen Bevölkerung für die Alpenschutz-Initiative, die NEAT, die FinöV und die LSVA gestimmt hat – dies sicher auch im festen Willen, Sorge zu tragen zu unserem Lebensraum. Gerade diese Sorge täte aber Not. Schöne Wörter genügen nicht. Immerhin geht es um unseren Lebensraum. Auf dem Verkauf des ins Tal gestürzten Matterhorngesteins an Souvenierkiosken lässt lässt sich keine Existenz aufbauen.
Das Land ist schön. Es gibt Wälder und Seen. Es gibt die Ruhe im Gebirge. Man braucht keine Heimattümelei anzuzetteln, um diese Werte zu sehen – um zu wissen, dass umweltpolitisches Handeln Not tut, eines, bei dem die Natur und die Förderung des öffentlichen Verkehrs im Mittelpunkt stehen. Die Hitze des Sommers 2003 müsste uns ein Fingerzeig dafür sein, was dank einem funktionstüchtigen BUWAL und einer Verlagerung des Verkehrs auf die Schiene erhalten und verbessert werden kann. Dazu braucht es weder sinnloses Verschwenden noch unsinniges Sparen.